Fremdstoffgehalt in Biogut – Potential der Entfrachtung durch Vorbehandlung

Die Sortenreinheit von getrennt erfasstem Biogut ist eine wesentliche Voraussetzung für die Herstellung von hochwertigen Kompostprodukten. In einer kleinen Novelle der Bioabfallverordnung BioAbfV, die für 2021 angekündigt ist, soll ein Kontrollwert für den Fremdstoffgehalt in Höhe von 0,5 Ma.-% eingeführt werden.


KURZFASSUNG: Die Sortenreinheit von getrennt erfasstem Biogut ist eine wesentliche Voraussetzung für die Herstellung von hochwertigen Kompostprodukten. In einer kleinen Novelle der Bioabfallverordnung BioAbfV, die für 2021 angekündigt ist, soll ein Kontrollwert für den Fremdstoffgehalt in Höhe von 0,5 Ma.-% eingeführt werden. Diesen Kontrollwert gilt es vor der biologischen Behandlungsstufe zu erreichen. Der Fremdstoffgehalt des angelieferten Bioguts ist in vielen Gebieten deutlich höher als 0,5 Ma.-%, sodass zur Einhaltung des Kontrollwertes der Einsatz von Aufbereitungstechnik erforderlich wird. Der größte Anteil der Fremdstoffe befindet sich trotz Aufschlusszerkleinerung in der Fraktion > 80 mm. Durch die Integration von Siebtechnik in den Prozess der Vorbehandlung kann der Fremdstoffgehalt des Bioguts somit deutlich reduziert werden. Dennoch zeigt die Siebung von insgesamt 60 Biogut Einzelproben aus zwei verschiedenen Sammelgebieten mit Fremdstoffgehalten zwischen 1,2 und 20 Ma.-%, dass unter Nutzung eines Siebschnittes von 80 mm bzw. 60 mm bei keiner der Proben ein Fremdstoffgehalt < 0,5 Ma.-% erreicht werden kann. Der Kontrollwert ist für Anlagenbetreiber eine Herausforderung, der sie ohne signifikante Verbesserung der Sortenreinheit nicht gerecht werden können.

1 EINLEITUNG

In Folge der am 01. Januar 2015 gemäß § 11 Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG 2012) in Deutschland in Kraft getretenen Pflicht zur flächendeckenden Getrenntsammlung für überlassungspflichtige biologische Abfälle, ist die erfasste Menge haushaltsstämmiger biogener Abfälle in den letzten 5 Jahren um ca. 13 Ma.-% gestiegen. Im Jahr 2018 wurden rund 10 Mio. t Biogut erfasst, knapp die Hälfte davon (4,4 Mio. t) über die haushaltsnahe Biotonnensammlung (Destatis 2020). Die zunehmende Erfassung ist dabei ein wichtiger Beitrag zum Erreichen von Recycling- und Verwertungszielen. Im Hinblick auf eine hochwertige Verwertung ist, neben der zur Verfügung stehenden Menge, vor allem die Sortenreinheit des Materials entscheidend. Die Betreiber von Kompostierungs- und Vergärungsanlagen stehen vor der Herausforderung aus dem erfassten Biogut, unabhängig von dessen Sortenreinheit, ein landwirtschaftlich nutzbares Kompostprodukt herzustellen. Insbesondere durch die mit der Änderung der Düngemittelverordnung (DüMV 2012) vom 2. Oktober 2019 einhergegangene Absen-kung der Bezugsgröße für Fremdstoffe von 2 mm auf 1 mm und der Herabsetzung der Flächensumme ausgelesener Fremdstoffe von 25 cm²/L bezogen auf die Frischmasse (FM) auf 15 cm²/L FM bei der Gütesicherung Kompost (Kehres 2016), hat das Thema „Fremdstoffe im Bioabfall" an Relevanz gewonnen.



Copyright: © Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben
Source: Recy & Depotech 2020 (November 2020)
Pages: 6
Price inc. VAT: € 3,00
Autor: Melanie Brune
Dr. Alexander Feil

Send Article Add to shopping cart Comment article


These articles might be interesting:

TGV – Thöni Gärrestverwertung: Kompostierungstechnologie zur Behandlung von Gärresten
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (11/2025)
Die TGV – Thöni Gärrestverwertung behandelt Gärreste aus Vergärungsanlagen und verarbeitet sie zu hochwertigem Kompost. Das System schließt die Lücke zwischen anaerober Vor- und aerober Nachbehandlung. Durch eine eigene Technologie werden Schnittstellen reduziert und Planung sowie Ausführung aus einer Hand ermöglicht.

Der Weg vom Gärrest zum Qualitätskompost – Erfahrungen in umgesetzten Anlagen
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (11/2025)
Die Erzeugung eines hochwertigen Qualitätskomposts ist vielfach ein Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg einer Bioabfallbehandlungsanlage. Da jedoch die meisten Bioabfälle bei der Anlieferung in einer Behandlungsanlage immer noch einen sehr hohen Fremdstoff- und Verunreinigungsanteil aufweisen, ist neben einer effizienten biologischen Behandlung – in einer Kaskadennutzung bei hohem Biogasertrag und guter Aerobisierung und Nachrotte der Gärreste – die Abscheidung der Störstoffe in einer Kompostfeinaufbereitung der Schlüssel zu einem vermarktbaren Qualitätskompost.

InBio – die integrierte Bioabfallbehandlungsanlage der KWA Regio
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (11/2025)
Wenn wertvoller biologischer Abfall ohne Rückstände von flüssigen Gärresten verwertet werden kann, profitieren davon Mensch, Umwelt und Natur.

Bio- und Grünabfallverwertung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen – Von der Sammlung bis zur Erzeugung hochwertiger Loisachtaler Erden
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (11/2025)
Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen startete in den 1980er Jahren als einer der Pioniere mit der Einführung der Getrenntsammlung von Abfällen im Rahmen eines 2-Tonnensystems (Altstoff- und Nassmülltonne). Anfang der 1990er Jahre wurde das Konzept weiterentwickelt und 1993 die separate Erfassung und biologische Behandlung von Bio- und Grünabfällen über die Biotonne eingeführt.

Die Mischung macht‘s – Der Gärrestmischer in der Praxis
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (11/2025)
Zur Nachbehandlung von Gärrest aus Bio- und Restabfall entwickelte Eggersmann den Gärrestmischer, der aus Gärresten und Zuschlagstoffen homogene, gut belüftbare Mischungen erzeugt. Damit wird den besonderen Anforderungen der Gärreste mit hohem Wassergehalt begegnet und eine effiziente Kompostierung ermöglicht.

Username:

Password:

 Keep me signed in

Forgot your password?

Neu in ASK? Dann gleich registrieren und Vorteile nutzen...